Aktivenausflug nach Ostrohe 2017

Hab mein Wagen voll geladen...

...voll mit motivierten Musikanten, die sich am Donnerstag, 27. Juli 2017, in aller Frühe bei Schlagzeuger Benny Holly trafen, um gemeinsam mit den Musikfreunden aus Helferskirchen den Weg in den Norden anzutreten. Mit der Unterstützung von Busfahrerin Sandra konnten die Musiker alle Koffer, Taschen, Instrumente, Körbe und Cases im Bus verstauen, sodass die Reisegruppe gegen sieben Uhr startete. Eine angenehme Fahrt nach Ostrohe stand den Musikerinnen und Musikern der beiden Vereine bevor, die lediglich von Pausen nicht aber von Staus unterbrochen wurde. Gemeinsam hatten die Reisenden ein großes Buffett zusammengestellt, das keine Wünsche offen ließ und die Pausen versüßte (oder "verherzhafte"). Die erste Vorsitzende der Langendernbacher, Tanja Fritz, sprach in weiser Voraussicht von der wundersamen Brotvermehrung, denn die vielfältigen Speisen sollten die Musiker noch einige Zeit satt und zufrieden machen.

Am Nachmittag trafen die Westerwälder im hohen Norden ein und wurden von der Ringreitergilde Ostrohe herzlich empfangen. Die Musikerinnen und Musiker wurden in Gastfamilien untergebracht, die die Zugereisten sofort adoptierten und sich das ganze Wochenende fantastisch um die Gäste kümmerten. Nach dem ersten Kennenlernen wurden die Musikanten mit dem Festwagen zu einem idyllisch gelegenen Grundstück kutschiert, wo bis in die tiefe Nacht hinein gefeiert wurde. Ein leckeres Buffett und gut gekühlte Getränke warteten dort auf Einheimische und Gäste. An diesem Abend lernten die Westerwälder erstmals das Ostroher Nationalgetränk kennen: Cola-Korn. Eine Spezialmischung, die manchen für sich einnehmen konnte. Der ein oder andere plädierte für eine Aufnahme des Getränks auf die Karte des Langendernbacher Vereinslokals "Wäller Stuben". Eines war jedenfalls an diesem ersten Abend bereits klar: Die Ostroher Ringreitergilde versteht zu feiern.

Am Freitag präsentierten die Gastfamilien mit viel Liebe ein leckeres Frühstück. Bestens gestärkt wurden die Musikerinnen und Musiker von Harald Sierks, dem Obmann der Ringreiter, zu einer Dithmarschen-Tour empfangen. Ein paar hartgesottene Einheimische fanden ebenfalls den Weg in den "Tourbus" der Westerwälder und so konnte gemeinsam die Heimat der Ringreitergilde erkundet werden. Zunächst führte der Weg in die Dithmarscher Kohlfelder, wo recht unscheinbar ein Denkmal von großer Geschichte zeugte. An die Schlacht bei Hemmingstedt wurde mit einem gigantischen Felsbrocken gedacht. Im Februar 1500 schlugen etwa 500 Dithmarscher Bauern das Heer des Dänenkönigs Johann, welches den Einheimischen mit 20.000 Mann weit überlegen war. Auf die darauf folgende 59 Jahre andauernde Unabhängigkeit der Dithmarscher sind die Bewohner des gleichnamigen Landkreises immer noch stolz. Auch die Musikerinnen und Musiker aus dem Westerwald waren beeindruckt von so viel Schlagkraft und versprachen den Ostrohern gutes Benehmen.

Anschließend war ein Bad in der Nordsee geplant, das aber durch aufziehende Regenwolken, kräftigen Wind und vor allem Ebbe verhindert wurde. Doch auch eine spontane Wattwanderung in der Nähe von Büsum machte die Landratten glücklich. Sofort wurden Muscheln und Krabben entdeckt und Wattwürmer gesucht. Trotz kalter Außentemperaturen und noch kälterem Wind war das Nordseewasser erstaunlich warm. Doch ein aufziehender Sturm - oder wie die Ostroher sagten, ein "laues Lüftchen" - zwang die Wattwanderer und ihre Begleiter zum vorzeitigen Aufbruch. Ein richtiges Bad in der Nordsee musste leider ausfallen.

Die dritte Station der Musikerinnen und Musiker war das Eidersperrwerk. Hier kamen sowohl die Technikbegeisterten als auch die Genießer auf ihre Kosten. Die besten Matjesbrötchen im Dithmarscher Land konnten hier verspeist werden. Das Tagessoll erfüllte der kleine Imbiss auf jeden Fall mit Hilfe der Westerwälder. Beeindruckt waren die Reisenden vor allem von der Größe dieses Schutzwalls, der Dithmarschen vor Sturmfluten schützen soll. Bereits seit 1973 besteht das Bauwerk, wie die Reiseführer aus Ostrohe berichteten. Da musste natürlich das Eidersperrwerk von oben betrachtet werden. Gemeinsam wurden die zahlreichen Stufen erklommen und die Aussicht auf Nordsee und Eider genossen. Nach getaner Arbeit flüchteten die Musikerinnen und Musiker vor dem wieder aufkommenden Regen in den Bus zu Sandra. Da der Regen an diesem Tag scheinbar kein Ende finden wollte, entschied man sich für die Rückkehr ins schöne Ostrohe, wo ein kurzer Zwischenstopp bei den Gastfamilien eingenommen wurde.

In Ostrohe angekommen, blieb der Regen plötzlich aus, sodass sich einige tapfere Westerwälder unter der Führung eines Ortskundigen in ein Waldcafé begaben. Leckerer selbstgemachter Kuchen, fantastische Torten und - für die später Angekommenen - hausgemachter Kartoffelsalat mundeten hervorragend. Zum Abendessen gab es in vielen Familien Kartoffelsalat und heiße Fleischwurst - ob die Ostroher sich abgesprochen hatten, ist nicht überliefert. Unerwartet klarte es dennoch am Abend auf, sodass sich die Westerwälder zum Kranzbinden und Wagenschmücken unter den Eichen trauten. Spontan wurde den arbeitenden Ostrohern ein kleines Buffett aufgetischt und das am weitesten gereiste Fässchen Tegernseer angezapft. Der Freitag klang bei kühlem Bier aus dem Süden Deutschlands aus. Ostroher, Langendernbacher und Helferskircher hatten sich viel zu erzählen.

Am Samstag erwartete die Musikerinnen und Musiker aus dem Westerwald ein Spektakel, das seinesgleichen sucht und der eigentliche Grund der weiten Reise war: Das 68. Pokalringreiten der Brokmannsautalgilde in Ostrohe. Begonnen wurde gegen acht Uhr mit einem großartigen Umzug. Die örtliche Polizei war ebenso eingebunden wie die Freiwillige Feuerwehr. Ringreitergilden und -vereine aus acht Dörfern gestalteten den Festzug, der an zahlreichen Stationen in Ostrohe Halt machte. Hier konnten sich Musikanten, Reiter und Gäste mit Speis und Trank stärken. Eine Besonderheit für die Westerwälder war sicherlich die "Marschordnung". Werden Umzüge im Westerwald bekannterweise per pedes von den Musikvereinen begleitet, verlud man die Musikerinnen und Musiker in Ostrohe kurzerhand auf zwei Anhänger eines Traktors. Eine interessante Erfahrung, die - so wurde gleich überlegt - eventuell mit in die Heimat genommen wird. Trotz strömenden Regens zu Beginn des Festzuges waren zahlreiche Gäste und Einheimische am Straßenrand und begleiteten den Umzug mit Beifall und Jubelrufen. Nach etwa zwei Stunden riss der Himmel auf und die Festgesellschaft konnte die herausgeputzten Reiter und Amazonen, die geschmückten Pferde und natürlich die Musikvereine Langendernbach und Helferskirchen endlich ohne Regenjacken bewundern. Gut gelaunt bewirteten die Ostroher den Festzug der Ringreitergilden an zahlreichen Stationen mit Bowle, Cola-Korn und anderen Getränken. An der Schule wartete die Ringreitergilde Ostrohe mit einem reichhaltigen und leckeren Frühstück auf die Teilnehmer des Zuges. Auch die Musikerinnen und Musiker durften hier aussteigen und heißen Kaffee zu den Brötchen genießen, um sich aufzuwärmen. Den Abschluss fand der Umzug im Ringreiterstadion mitten in Ostrohe, wo die gesamte Gesellschaft bei immer besser werdendem Wetter ein stärkendes Mittagessen genoss.

Die Amazonen und Ringriederkameroden starteten sogleich das „68. Pokolringrieden in Ostroh“ und begeisterten das Publikum mit technischer Raffinesse und waghalsigen Manövern, um möglichst viele Ringe zu ergattern. Leider konnten die Musikvereine Langendernbach und Helferskirchen die Ostroher Mannschaft nicht lange anfeuern, da die Vorbereitung für den Festkommers bereits kurze Zeit später begann. Nach einer kurzen Pause, die die Musikerinnen und Musiker zum Frischmachen und Umziehen nutzten, begann der Festkommers mit Siegerehrung in der örtlichen Sporthalle, die von den Ringreitern und ihren Unterstützern festlich geschmückt worden war. In edlem Schwarz empfingen die Westerwälder Musiker die Ostroher Pferdefreunde. Mit Hits wie „Abba Gold“, „Ding-a-Dong“ oder „Tiger Rag“ lockerten die Musikerinnen und Musiker den Kommers auf und rissen das Publikum mit. Die Reiter und Amazonen waren begeistert von der handgemachten Blasmusik. Schnell wurde ein erneutes Engagement der beiden Vereine in den nächsten Jahren in der Halle diskutiert. Mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen verabschiedete das Publikum die Musikanten in den wohlverdienten Feierabend.

Ein kurzes Abendessen und für den ein oder anderen ein Nickerchen füllten die Pause bis zum großen Ringreiterball der Broklandsautalgilde. Die Festband „Die Doppelzentner“ heizte schnell die Stimmung im Saal an und konnte sogar bei den Westerwäldern Heimatgefühle hervorrufen. Mit dem Westerwaldmarsch freundeten sich aber auch die Einheimischen schnell an, sodass einem rundum gelungenen Abend nichts im Wege stand. Musikanten, Reiter und Gäste feierten bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam das erfolgreiche Pokalringreiten in Ostrohe.

Der Sonntag startete ebenfalls früh für den Musikverein Langendernbach 1909 e.V. und den Musikverein 1976 Helferskirchen e.V. in der Halle. Die Bühne wurde von „Partynacht“ zu „Gottesdienst“ umgebaut und das ein oder andere Stück wurde noch einmal angespielt, bevor zu Ehren der Broklandsautalgilde der Gottesdienst stattfand. Die Begleitung durch die Westerwälder unter der Leitung von Dirigent Marco Heibel begeisterte die Gemeinde so sehr, dass auch während des Gottesdienstes spontan applaudiert wurde. Einfacher kann man Musiker nicht glücklich machen. Mit „Choral and Rock-Out“ oder „Pavane in Blue“ gaben die Musikerinnen und Musiker dem Gottesdienst einen modernen Anstrich, was Pastor Arend Engelkes gerne aufgriff. In seiner Predigt kam die Speisung der Fünftausend mit fünf Broten und zwei Fischen zur Sprache, was bei den Westerwäldern für Lacher sorgte – schließlich wurde mit dem Buffet der Hinfahrt eine ganze Gemeinde satt.

Direkt im Anschluss an den Gottesdienst spielten die Musikanten aus dem Westerwald ein letztes Mal auf und verabschiedeten sich von ihren Gastgebern mit einem zünftigen Frühschoppen nach Westerwälder Art. Auch wenn die Gastgeber die Musikerinnen und Musiker nicht gehen lassen und die Gäste die Ostroher noch lange mit handgemachter Blasmusik glücklich machen wollten, musste auch diese Zeit einmal enden. Nach großem Applaus und einem Solo von Marco Heibel an der Trompete packten die beiden Westerwälder Musikvereine den Bus wieder voll und machten sich auf den Weg in die Heimat.

...weitere Bilder folgen.

Ringreitergilde Ostrohe