Auszug der Chronik des Musikvereins

 

Die Begeisterung für die Musik erfasste zu Beginn des letzten Jahrhunderts auch die Menschen in unserem Heimatdorf. Zu Kirmes und Fastnacht und zu zahlreichen anderen Gelegenheiten spielten Musikanten zum Tanz auf, Musikkapellen aus der Pfalz und anderen Teilen Deutschlands zogen durch die Lande, um durch ihr klingendes Spiel ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das weckte natürlich auch in Langendernbach den Wunsch, nicht nur Zuhörer von fremden Musikanten zu sein, sondern selbst zu musizieren.

Es war am 25. November 1909 im Gasthaus „Zur Post". Karl Belzer, Adolf Grasmäher (Trompete), Theodor Heep, Peter Rath (Tenorhorn), Otto Jung, Ferdinand Heep,  Wilhelm Rudius  (Althorn), Johann Wirfler (Bass und Flügelhorn), Peter Zey, Bernhard Heep (Bass) und Johannes Orschel (Flügelhorn) waren an diesem Abend erschienen. Die Liebe zur Musik hatte sie erfasst und so gründeten sie an diesem Abend den Musikverein Langendernbach und gaben sich eine Satzung, die mit folgendem Antrag zur Genehmigung eingereicht wurde:

„An die hiesige Ortspolizeibehörde, hier

Eine hiesige Vereinigung sucht um gefl. Genehmigung zur Bildung bzw. Bestehung eines „Musikvereins" und reicht der Ortspolizeibehörde diesbezügliche Statuten zur Einsicht ein.

i.A. Georg Diehl „

Die Satzung wurde am 27. Dezember 1909 durch den damaligen Bürgermeister Heep genehmigt.

Als Kassierer fungierte Wilhelm Rudius aus Irmtraut und als Schriftführer Georg Diehl. Es wird vermutet, dass der 1. Vorsitzende Ferdinand Heep war. In diesem Zusammenhang wurde auch der Name Karl Belzer genannt. Ein eindeutiger Nachweis ist nicht mehr zu erbringen.

Mit Pappinstrumenten hatte dieses muntere Dutzend bereits an Fastnacht der vergangenen Jahre eine Musikkapelle imitiert, doch nun sollte es ernst werden. Richtige Instrumente: Trompete, Bass, Tenorhorn, Althorn, Flügelhorn mussten beschafft werden. Doch diese kosteten Geld, viel Geld für Menschen der damaligen Zeit in unserer Heimat. Da sprang Frl. Anna Maria Heep aus der „Post" rettend ein; sie stellte ein Darlehen zur Verfügung, damit Instrumente gekauft und Musik gemacht werden konnte. In Herrn Wilhelm Moor aus Elsoff fand man auch bald einen Dirigenten, der die musikalische Leitung des Musikvereins übernahm. Fleißig wurden die Proben besucht und bereits nach einem Jahr des Übens konnte der neue Musikverein in der Öffentlichkeit zum ersten Mal auftreten. Viele Gelegenheiten boten sich im Dorf, an denen die Musikanten gefragt waren; bei kirchlichen und weltlichen Feiern und Festen und nicht zuletzt an Kaisers Geburtstag, den alt und jung alljährlich mit frohem Herzen begingen und natürlich auch die Kirmes, zu der dann auch in „Beckers Schwalbennest" zum Tanz aufgespielt wurde.

 

1914 - der Beginn des 1. Weltkrieges, der eine viel versprechende Entwicklung des Musikvereins unterbrach. Am 04. August erfolgte die Mobilmachung in Langendernbach. Begeistert folgte man dem Ruf von Kaiser und Vaterland, denn man war sicher in vier Wochen in Paris zu sein. Die ganze Gemeinde verabschiedete die Reservisten und der Musikverein geleitete sie zum Bahnhof Wilsenroth. Jeder war stolz, für das Vaterland zu kämpfen. Aus den vier Wochen wurden jedoch vier harte Jahre. Immer mehr Männer mussten zur Front, viele verloren ihr Leben. Musik konnte nicht mehr gemacht werden, das Pfeifen der Granaten um Reims und Verdun erstickte die friedliche Musik der Dorfmusikanten. Georg Diehl und Otto Jung verloren in Frankreich ihr Leben. Die Tätigkeit des Musikvereins musste ruhen.

 

Am 11. November 1919 ging der 1. Weltkrieg zu Ende. In Deutschland herrschten Verwirrung und Chaos, doch man verfiel nicht der Resignation. Schon im Frühjahr des Jahres 1919 traf man sich wieder im Musikverein. Man wollte weitermachen, um so auch den anderen Bewohnern des Dorfes ein Zeichen der Hoffnung und eine kleine Freude zu schenken. Die Kriegsgefangenen kehrten allmählich in die Heimat zurück. Sie hatten harte Jahre hinter sich und alle waren froh, wenn sie in Wilsenroth aus dem Zug stiegen und „ihr" Langendernbach wiedersahen. Die Bevölkerung zog ihnen zum Bahnhof entgegen, an der Spitze die Mitglieder des Musikvereins. Mit Musik und Fackeln holte man sie ab und geleitete sie in einem festlichen Zug nach Hause.

Die zwanziger und dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts konnte der Musikverein dann schlecht und recht weiter bestehen. Diese Jahre waren für viele Menschen des Westerwaldes Zeiten, die durch Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und Schließung der Betriebe gekennzeichnet waren. Fremdarbeit in Köln, im Ruhrgebiet, in Frankfurt mit wochen- ja monatelanger Abwesenheit machten das Leben schwer, doch allem zum Trotz wurde der Groschen fürs „Zoppen" an Kirmes und Fastnacht allemal übrig gemacht. Die Musik war nicht nur eine beliebte Freizeitbeschäftigung, sondern oft die einzige Möglichkeit ein paar Mark zu verdienen, was dem Musikverein half, zu überleben.

1923 wirkten im Verein die Mitglieder Richard Quernheim aus Irmtraut, Josef Wirfler, Wilhelm Rudius aus Irmtraut, Karl Belzer, Johann Reichold, Peter Rath, Philipp Bruchmann, Franz Zey, Peter Zey, Johann Wirfler, Ludwig Quernheim aus Irmtraut, Alois Eisel aus Seck, Josef Eisel aus Seck, Franz Hering- aushilfsweise an der Pauke- mit.  In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war zunächst Johannes Orschel der Dirigent des Vereins, der dann nach seinem Tod von Franz Zey abgelöst wurde.

Am Sonntagnachmittag traf man sich in den Häusern einiger Mitglieder, um dort die Proben zu halten und das gängige Repertoire zu erweitern.

Viel Tanzmusik wurde in dieser Zeit gespielt, aber auch bei der Einweihung des Kriegerdenkmales im Jahr 1926, beim Sängerfest in Thalheim 1927, beim Kriegerfest in Dietkirchen 1931 oder auch bei den Fronleichnamsprozessionen und der Beerdigung von Pfarrer Weidenfeller 1933 erklangen die Märsche und Choräle des Musikvereins. Selbstverständlich wurde auch jedes verstorbene Mitglied mit Musik zu Grabe geleitet.

 

1939 war wieder ein Schicksalsjahr für Deutschland und die Welt, der 2. Weltkrieg war ausgebrochen und setzte dadurch dem Leben des Musikvereins bis 1948 ein vorläufiges Ende. Wiederum hatte die „Große Politik" eine hoffnungsvolle Entwicklung zerstört, hatte sie doch bereits die Feier anlässlich des 25- jährigen Bestehens (1934) unmöglich gemacht. Doch es kam noch viel schlimmer. Zunächst wurden die jungen Männer dem „Reichsarbeitsdienst" dann der „allgemeinen Wehrpflicht" unterworfen und mussten aus Langendernbach fort in den 2. Weltkrieg mit all seinen verheerenden Folgen. Es gab keinen Nachwuchs für den Verein. Trauer um gefallene und Sorgen um gefangene, vermisste und verschollene Angehörige erstickten alles Musizieren. Am 08. Mai 1945 wurde in Reims die bedingungslose Kapitulation Deutschlands angenommen; der 2. Weltkrieg war endlich zu Ende.

Aber auch nach 1945 ging es nicht sofort los. Scham über die Wahrheit bezüglich der jüdischen Mitbürger im Dorf, Anstrengungen, die Heimatvertriebenen einzugliedern, alles belastete das Leben der Gemeinde und der Einzelnen.

 

Doch kaum war die erste Not der Kriegs- und Nachkriegszeit überwunden, trafen  die letzten Alten (Josef Wirfler, Hermann Reichold, Karl Melzer, Otto Riepl) wieder im Hause des Josef Wirfler zum Musizieren zusammen und beschlossen, mit den Jungen einen neuen Anfang zu machen. Glücklicherweise stellte sich mit dem ehemaligen Militärkapellmeister Ferdinand Eisel ein leidenschaftlich engagierter Musiker ein, der  die musikalische Leitung übernahm. Trotz aller materiellen Schwierigkeiten begann nun eine Zeit des Aufstiegs und der Blüte.

Auf einen Tipp von Ferdinand Eisel hin, dass das Musikhaus Schneider, welches die Instrumente von Neuhäuser übernommen hatte, einen B- Bass zu verkaufen hat, begab sich Günther Fröhlich dorthin, um diesen zu erwerben. Der Bass sollte 800,00 DM kosten. Günther leistete in dieser Zeit sein Praktikum bei Buderus ab und konnte dadurch wöchentlich beim Musikhaus Schneider nachfragen. Zwischenzeitlich hatte er auch erfahren, dass das Musikhaus Schneider in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Das Instrument war aufgrund der ständigen Vorsprachen und des großen Interesses eine Woche später schon 50,00 DM billiger. Die Bemühungen und die Ausdauer von Günther machten sich dann bezahlt. Der B- Bass wurde als erstes Instrument nach der Währungsreform für 450,00 DM erworben. Dieser Betrag wurde bis zur Aufführung der ersten Operette von Günther vorgelegt. Aus den durch die Aufführungen erzielten Einnahmen wurde ihm der Betrag zurückerstattet.

 

In dieser Zeit (1949-1950) war Karl Sturm 1. Vorsitzender und Ferdi Seck Schriftführer und Kassierer, der dann nach einiger Zeit das Amt des Schriftführers an Otto Riepl weitergab. Zweimal wöchentlich wurde in dieser Zeit im Vereinslokal Becker geprobt und im Spätherbst 1950 konnte im Saale Becker die erste Operette aufgeführt werden. „Die Winzerprinzessin Rosemarie" war ein vollerErfolg.Die Besucher hatten ihre Freude und der Musikverein ein kleines Polster, um die dringend benötigten Noten und Instrumente kaufen zu können. Auch 1951 und 1952 („Wenn ein Wiener Walzer klingt") spielte man wieder Operetten, alle im Saal Becker, damals Vereinslokal. Mit Begeisterung waren die Musikanten, Sängerinnen und Spieler bei der Sache. Für die Bewohner des Dorfes war es in der fernsehlosen Zeit eine willkommene und fröhliche Abwechslung.

Karl Sturm, der 1. Vorsitzende des Musikvereins, wirkte mit bei der Gründung des Musikvereins Westernohe und übernahm auch dessen Führung. Ein neuer Vorstand musste somit  1951 gewählt werden. Hermann Reichold war nun 1. Vorsitzender und sollte den Verein bis 1958 führen.Schriftführer war Otto Riepl und Kassierer Ferdi Seck.

Beim 75- jährigen Jubiläum des Gesangvereins „Liederkranz", Pfingsten 1952, sollte erstmals mit neuen Mützen gespielt werden. Diese trafen jedoch verspätet ein und konnten erst zum Abschluss am Pfingstdienstag im Festzelt benutzt werden. Jedes Vereinsmitglied bezahlte seine Mütze.

 

Mit der Begründung, dass er geschäftlich überlastet und dadurch den Pflichten des Vereins nicht mehr gewachsen sei, legte Hermann Reichold sein Amt als Vorsitzender nieder. Durch die Neuwahl des Vorstandes in 1959 wurde Ferdinand Schmidt (Roth's Ferdi) 1. Vorsitzender. Josef Reichwein wurde zum 2. Vorsitzenden, Josef Fröhlich zum Schriftführer und Kassierer gewählt.

Größere Feierlichkeiten im Vereinsleben des Musikverein konnten erst mit dem 60- jährigen Jubiläum stattfinden, hatte doch der Krieg für den Ausfall des 25- jährige gesorgt und durch die Nichtbereitstellung des Sportplatzes zum Aufstellen eines Festzeltes  mußte auch das 50- jährige ausfallen. So stand das 60- jährige ganz im Zeichen der beiden leider nicht stattgefundenen Jubiläumsfeierlichkeiten. Höhepunkt war zweifelsohne das Konzert des Heeresmusikkorps 5 der Bundeswehr unter Leitung von Major Schlüter.

Genau 15 Jahre später zogen die Musiker  der 8. US-Infanteriedivision aus Bad Kreuznach die Zuhörer in ihren Bann. 

Einzureihen in diese musikalischen Leckerbissen sind aber auch die vielen alljährlichen Konzerte unseres Vereines allein oder zusammen mit benachbarten hervorragenden Vereinen wie z.B. Siershahn, Holler oder Winkels, insbesondere jedoch  anlässlich des 70- jährigen Jubiläums 1979 und das Frühjahreskonzert mit Weihe der von Josef Leber gestifteten Fahne 1981.

 

1973 ging Ferdinand Eisel, der sich große Verdienste um den Verein in den Jahren nach dem Krieg bis zu diesem Zeitpunkt erworben hatte, 77- jährig als Dirigent in den wohlverdienten Ruhestand. Den Dirigentenstab gab er an seinen Neffen Josef Reichwein weiter, der mit viel Erfolg die Tradition des Musikvereins nach seinem Wahlspruch „Das Unmögliche erstreben, um das Mögliche möglich zu machen."

Engagiert hat sich der Musikverein in seinem bisherigen Leben aber auch im sozialen Bereich. Erinnert sei an die Konzerte und Mitgestaltungen des Eppenau- Festes für die Lebenshilfe in Limburg oder das alljährliche musikalische Einläuten des Heiligen Abends früher im Altenheim und der psychiatrischen Klinik in Hadamar und heute beim Behinderten-Wohnheim in Elbgrund und dem Altenheim in Irmtraut, aber auch an mehreren Plätzen in den beiden Dörfern Irmtraut und Langendernbach.

In diese Aktivitäten fügt sich eine Initiative unseres damaligen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden Edi Tögel beispiellos ein, dem es im Jahre 1971 in mühevoller Kleinarbeit gelungen war, zu erreichen, dass die Gemeinde Langendernbach dem Musikverein das Gelände oberhalb des Steinbruches am Wingertsberg langfristig pachtweise zur Verfügung stellte. Mit dem Bau der „Wingertsberghütte" durch den Musikverein in 1982  wurde auch der Grundstein dafür gelegt, dass später dort ein Platz für das gesamte Dorf durch den Bau einer überdachten Grillstelle geschaffen wurde. Lange Zeit hielt dieser mit viel Mühe und Aufopferung von Edi Tögel gepflegte Platz allen Verwüstungen stand. Aber in den letzten  Jahren haben überdrüssige Zeitgenossen erhebliche Zerstörungen aus für alle nicht begreiflichen und nachvollziehbaren Motiven angerichtet. Dieser Platz gibt den schönsten Blick auf Langendernbach frei und lädt ein, an schönen Tagen in der freien Natur fernab von Lärm und Hast ein paar geruhsame und erholsame Stunden zu verbringen.

 

Ein weiterer bedeutungsvoller Schritt erfolgte 1977 mit einer neuen Satzung, nachdem die Gründersatzung 68 Jahre als Grundlage dem Verein diente, der Eintragung des Vereins in das Vereinsregister und Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzverwaltung. Eine neue Ära im Vereinsleben wurde dadurch eingeleitet.

Hatten die Verantwortlichen der früheren Jahre noch die Auffassung vertreten, bedingt auch durch einen weiteren musiktreibenden Verein im Ort, der Nachwuchs käme überwiegend aus den eigenen Reihen, mußte man erkennen, fast zu spät, daß dem nicht so war.

Mit der Übernahme des Vorsitzes durch Gerhard Bill 1996, wurde eine Wende in der Nachwuchssuche und -förderung eingeläutet, deren Ergebnis gute  Früchte trägt.

Mit dem Beitritt des Musikverein Langendernbach zum Kreismusikverband des Westerwaldes in 1997 wurden auch die musikalische Früherziehung  und ein Jugendorchester begründet.

Die Altersstruktur im großen Orchester reicht heute von 15- 65 Jahren bei einem Aktivenkreis von ca. 35 Musikern.

Im Jahr 2009 blickt der Musikverein Langendernbach e.V. auf 100 Jahre zurück. Mit einem Festjahr soll dieser Geburtstag gefeiert werden. Die erforderlichen Vorbereitungen sind zur Zeit mit einem hohen Engagement und einem enormen Zeitaufwand der Verantwortlichen im Gange.